Die Stiftung Auschwitz-Komitee

Die Stiftung Auschwitz-Komitee hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Stimmen, die Mahnung und das Vermächtnis derjenigen, welche die nationalsozialistischen Verbrechen noch selbst erlebt und überlebt haben, an die nachfolgenden Generationen weiter zu geben und in Erinnerung zu halten.

Dazu will die Stiftung durch einen jährlichen Förderpreis - den Hans-Frankenthal-Preis - Gruppen, Initiativen und Institutionen unterstützen, die im Geiste des Auschwitz-Komitees Aufklärungs- und Bildungsarbeit gegen das Vergessen und gegen nationalsozialistische und neofaschistische Bestrebungen leisten.

Frieda Larsen 2009. © C. Kruse 2009

Frieda ‚Püppi‘ Larsen, geb. Lehing (7.1.1933–27.9.2026)

Wenn Frieda ihre Lebensgeschichte erzählte, legte sie stets Wert darauf, noch in der Weimarer Republik geboren worden zu sein, in Rostock, auf der Reise, als zweites von fünf Kindern. „Mein Vater war ein Sinto, meine Mutter eine Bürgerliche.“ Durch Enteignung und zwangsweise „Festsetzung“ in Hamburg wurden der Familie in der NS-Zeit die Existenzgrundlage und den Kindern die Zukunft entzogen. Als junges Mädchen musste sie erleben, wie der Großteil ihrer Verwandten deportiert wurde, die meisten hat sie nie wieder gesehen. Es gelang der Mutter mit großem Aufwand, die fünf Kinder vor Zugriffen zu schützen, ihr Vater überlebte in Hamburg unter den Sinti, die die Stadt von der Deportation ausgenommen hatte, um sie für lebensgefährliche Zwangsarbeit in der Bombenräumung einzusetzen.
Das Ende des Krieges war für die Angehörigen der Minderheit der Sinti und Roma nur eine sehr eingeschränkte Befreiung. Antiziganistische Diskriminierung und Ausgrenzung wurden ungebrochen fortgesetzt. Frieda erlebte die wenigen, die aus den Lagern zurückkamen, als schwer an Körper und Seele verletzt und sah, wie ihr Vater vergebens um Anerkennung und Entschädigung kämpfte. Sie kehrte Deutschland den Rücken, um sich in Schweden eine neue Existenz aufzubauen, und lernte auf See ihren zukünftigen Mann Roy, einen norwegischen Seemann, kennen. Beide gründeten in Norwegen eine Familie, später zogen sie zusammen nach Hamburg. Dort engagierte sich Frieda für geflüchtete Menschen und gegen Rassismus, bis sie mit ihrer Familie Roys frühen Tod im Jahr 2001 verkraften musste.
Frieda war Gründungsmitglied des Auschwitz-Komitees in der BRD und der Stiftung Auschwitz-Komitee, sie engagierte sich für den Zentralrat Deutscher Sinti und Roma in Heidelberg und war eine der ‚Ältesten‘ im Landesverein der Sinti in Hamburg. Sie gab der „Werkstatt der Erinnerung“ an der Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg, dem Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma in Heidelberg und der Gedenkstätte Neuengamme biographische Interviews.
Als 2005 die erste Gedenktafel am damals als Schuttplatz genutzten Standort des ehemaligen Deportationsortes, des Hannoverschen Bahnhofs, aufgestellt wurde, drängte Frieda die damalige Kultursenatorin Karin von Welck, etwas gegen diesen unwürdigen Zustand zu tun. Fortan kämpfte sie mit viel Engagement und Energie um den Gedenkort und das Dokumentationszentrum. Die Eröffnung des Lohseparks und des Gedenkorts am historischen Gleis hat sie noch begleitet. Die zermürbenden und endlosen Verwicklungen um den Standort des Dokumentationszentrums nahm sie mit größter Skepsis zur Kenntnis: „Egal wie alt ich werde, die bekommen das Dokumentationszentrum doch nie fertig …“ Das war ihre bittere Bilanz des jahrelangen Ringens um ein würdiges Gedenken für die Menschen, die aus Hamburg in den Tod deportiert wurden. An der Eröffnung des Gedenkorts am Ort des ehemaligen Fruchtschuppens C, wo die Sinti und Roma vor ihrer Deportation zusammengetrieben und gequält wurden, im Jahr 2025 konnte sie aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr teilnehmen.
Frieda, wir danken dir für deine Kämpfe, deinen Mut, deine Zähigkeit, deinen Rat und deine Unterstützung!


Vorschau der Kurzinfos

Ebenfalls will die Stiftung ein Zeichen gegen die bis heute vorherrschende Haltung setzen, offiziell keine Verantwortung für die deutschen Verbrechen zu übernehmen: Die staatliche polnische Gedenkstätte Państwowe Muzeum Auschwitz-Birkenau in Oświęcim erhält keine kontinuierliche Unterstützung von der Bundesrepublik Deutschland.

Über 60 Jahre, nachdem Deutschland den Massenmord nach Polen und ganz Europa getragen hat, soll deswegen von der Stiftung regelmäßig – zumindest mit einem kleinen Betrag – diese Einrichtung unterstützt werden, die an einem der historischen Orte als Gedenkstätte und Museum die Ermordeten würdigt und die Überreste des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz für die nachfolgenden Generationen erhält und zu erklären versucht.